Produktdiversifizierung und ihre Auswirkungen auf die BSC
Produktdiversifizierung ist eine Änderung, die in allen vier Bereichen der Balanced Scorecard Auswirkungen hat. In dreien jedoch ganz besonders – in der Prozessperspektive, in der Kundenperspektive und in der Innovations- und Wachstumsperspektive. Ein weiterer interessanter Aspekt ist hier, welche neuen Interpendenzen des BSC-Systems sicher hier ergeben können.
Während die Betriebswirtschaftlichen Kennzahlen (engl. metrics) hierzu weiterhin hauptsächlich in der Finanzperspektive gemessen werden, setzt die Einführung eines oder mehrerer neuer Produkte vielschichtige Prozesse innerhalb einer Firma in Gang. Hat man nun in der Firma schon länger das Modell der Balanced Scorecard erfolgreich implementiert, so werden die notwendigen Schritte und der beste Weg zur erfolgreichen Erweiterung der Produktpalette (oder zum reibungslosen Auswechseln derselben) leichter vonstatten gehen.
Denn ein erfolgreich implementiertes BSC-System hat schon ein umfassendes Bewusstsein für die Funktionsweisen und unterschiedlichen Aspekte aller Betriebsebenen und Firmenabteilungen geschaffen.
Auf der Ebene der Produktionshalle wird man beispielsweise rasch erfassen können, welche Maschinen ausgetauscht werden oder welche umgebaut werden müssen und wie die operativen Prozesse der Produktion vonstatten gehen werden. Ebenso wird man dort realistisch abschätzen können, wie viel Zeitaufwand für die Umstellung nötig sein wird – und welche Produktionsausfälle dies eventuell zur Folge haben wird.
Ebenso werden die betreffenden Abteilungen zügig ausarbeiten können, welchen Personalstand sie benötigen und welche und wie viele Schulungen oder Neueinstellungen notwendig sein werden, damit eine hohe Produktivität gewährleistet ist. In die Innovationsperspektive fallen natürlich dann auch die Erneuerung von Maschinen, Software und Infrastruktur generell.
Für die Kundenperspektive muss erst einmal ein Bewusstsein für das neue Produkt oder die neuen Produkte geschaffen werden. Dazu werden Werbemaßnahmen beitragen. Diese Wiederum leiten sich am besten aus Erfahrungswerten mit vorherigen Werbekampagnen ab. Eine Firma, die regelmäßig Kundenumfragen durchführt, hat hier ein Wissensreservoir, aus dem sie für die Zukunft schöpfen kann. Wenn viele Kunden angeben, von früheren Produktänderungen per Zeitung erfahren zu haben, so wird die Werbeabteilung Anzeigen in entsprechenden Printmedien schalten. Ist die Stammklientel eher über das Internet in den Bestellprozess eingebunden, so werden Anzeigen im Netz geschaltet werden. Es kann dann obendrein noch sein, dass es überhaupt erst Kundenbefragungen waren, die zur Entwicklung eines neuen Produkts geführt haben.
Zu Interpendenzen der Perspektiven kommt es beispielsweise dann, wenn ein Lebensmittelproduzent sein Angebot beispielsweise um ein Fair Trade Produkt oder eine Bio-Reihe erweitert. Hier muss das Marketing dann auch Werbung mit den Produktionsstätten und den Produktions- und Arbeitsbedingungen machen können. Also hängt der Erfolg des Marketings dann auch direkt von der Gestaltung der Werkhalle und dem Rohmaterialeinkauf ab. Auch könnte sich eine massenhafte Entlassung unqualifizierter Arbeiter für die neuen Produktionsprozesse negativ für das Marketing auswirken.